Erfolgreicher mit Daten: Wirtschaftliche Potenziale der Datennutzung für baden-württembergische Universitäten

26.01.2022

Veranstaltungen, auf denen tolle Ideen für die wirtschaftliche Nutzung von Daten vorgestellt werden, mit denen Unternehmen erfolgreicher sein könnten, gibt es in großer Zahl. Den Beweis antreten, dass die Umsetzung erfolgt und vor allem erfolgreich ist, sieht man nur äußerst selten.

Die vom Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg zusammen mit dem Steinbeis Europa Zentrum umgesetzte Veranstaltung „Erfolgreicher mit Daten: Wirtschaftliche Potenziale der Datennutzung für baden-württembergische Universitäten zeigte unter der Moderation von Dr. Andreas Wierse, Geschäftsführer der SICOS BW GmbH, aber ausschließlich Beispiele, die sich bereits im produktiven Einsatz befinden und ihren Erfolg bereits unter Beweis gestellt haben!
Die Palette reichte dabei von einer Neugründung im Feld der Schädlingsbekämpfung über eine Ausgründung eines Kompressorenherstellers bis hin zum großen Maschinenbauer mit  weltweiter Reichweite. Ergänzt wurde das Programm durch einen Gastbeitrag von der Europäischen Kommission zur Bedeutung von Datenökosystemen, einem Überblick über Gaia-X, einem ersten Blick in die Ergebnisse des Pilotprojektes Datengenossenschaften und der Vorstellung von Fördermaßnahmen.

Ziele und Praxisbeispiele

Das Ziel der Veranstaltung, Unternehmen darüber zu informieren, dass die schon oft vermittelte Perspektive, auf der Basis von Daten neue erfolgreiche Geschäftsmodelle zu entwickeln, tatsächlich in der Praxis auch erreicht werden kann, wurde klar erreicht. Dass nun nicht mehr regelmäßig alle Schädlingsfallen aufgesucht und ihr Inhalt gezählt werden müssen, spart auf den ersten Blick bereits Zeit und Geld, ist schon aus ökologischen Gründen hilfreich.

Aber die Automatisierung der Zählung von Schädlingen mit Hilfe von Kameras und künstlicher Intelligenz durch die Firma Wains erlaubt es, Daten zu erheben und Datensätze zu erzeugen, deren Auswertung über das reine Sparen von Zeit und Geld deutlich hinausgeht: es lassen sich Zeitprofile erstellen, die Datenerfassung erfolgt in Echtzeit und es lassen sich auf einfache Weise Zusammenhänge z.B. mit Temperatur, Feuchtigkeit aber auch anderen Vorkommnissen verfolgen. Die Überlegungen, was man mit diesen Daten sonst noch anfangen kann, haben gerade erst begonnen.

Auch die Firma LOOXR, ausgegründet vom Kompressorenhersteller Mader, konzentriert sich auf das Geschäft rund um Digitalisierung und Daten. Sensorik wird dabei natürlich für das Condition-Monitoring genutzt, also die Überwachung des Betriebs, um Störungen möglichst früh zu erkennen oder sogar vorherzusehen. Aber die Druckluft Analytics hilft auch dabei, besser zu verstehen, wie der Druckluftbedarf tatsächlich aussieht. Und beim Smarten Leckage-Management können die konventionell oft nur schwer zu identifizierenden Lecks im Druckluftsystem erheblich schneller geortet werden. Diese Optionen sind für Mader eine deutliche Erweiterung des Portfolios und folgen ganze neuen Geschäftsmodellen im Vergleich zum Verkauf von Kompressoren.

Auch bei Trumpf hat der KI-basierte Sorting Guide bereits seinen Weg ins Produktangebot gefunden. Ausgehend von einem landesfinanzierten KI-Projekt unterstützt der Sorting Guide den Bediener einer Maschine nun dabei, die durch den Laserschnitt entstandenen Teile gleich richtig zu identifizieren und zu sortieren. Die Algorithmen erkennen die Teile, zu welchem Auftrag sie gehören oder welche Folgeprozesse anstehen, und markieren sie optisch entsprechend. Das entlastet den Mitarbeiter deutlich und beschleunigt gleichzeitig. Ebenfalls verbessert wird dadurch auch die Ausnutzung des Materials, auch hierbei hilft die KI.

Der Ausblick auf das Thema Datengenossenschaften macht schließlich deutlich, dass ein besonderer Aspekt beim Umgang mit Daten auch wissenschaftlich untersucht und auf die produktive Nutzung hin entwickelt wird: oft bringt das Zusammenspiel der Daten mehrerer Partner noch einmal einen deutlichen Erkenntnisgewinn, der sich auch im Geschäftserfolg niederschlagen könnte. Die jeweiligen Dateneigentümer sind jedoch in der Regel sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, Daten zu Teilen, besonders natürlich bei Konkurrenten, aber auch mit Kunden oder Auftraggebern.

Datengenossenschaften, bei denen ein Treuhänder ohne eigene wirtschaftlichen Interessen an den Daten, diese zusammenführt und die Auswertung durchführt oder unterstützt, ohne dass Dritte die Daten bekommen, können weiteres Potenzial erschließen, selbst für Unternehmen, die intern bereits in der Data Analytics aktiv sind.

Dr. Wierse führte durch diesen spannenden Nachmittag und konnte den Referenten insbesondere in den Frage & Antwort-Sessions auch noch die ein oder andere Information entlocken. Auch der größere Kontext, speziell die Nutzbarkeit dieser Technologie für kleine und mittlere Unternehmen, wurden sehr deutlich: Wenn sich schon die Schädlingsbekämpfung digitalisiert und KI nutzt, ist es für die meisten Unternehmen sicher sinnvoll, sich etwas näher mit dem Gedanken der Datenökonomie zu befassen und zu überlegen, ob nicht auch ihr Geschäftserfolg davon profitieren könnte.

Am Ende wurden die Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten für KMU in Baden-Württemberg vorgestellt. Dies rundete die sehr praxisbezogene Veranstaltung ab.

Hier finden Sie Eindrücke der Veranstaltung.